HOME OF HAPPY COWS

Zuhause der glücklichen Kühe

Konventionelle Landwirtschaft ist schmutzig, es wird nur wenig für das Wohl der Tiere getan und die Ställe sind dunkel und muffig. So oder so ähnlich zeichnen die Medien und Tierschutzorganisationen das Bild der heutigen Viehwirtschaft. Ja, es mag schwarze Schafe geben, aber mir bot sich im Januar ein anderes Bild beim Besuch von Bauer Grosshans, einem konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb, der sich selbst als “Home of happy Cows”, übersetzt soviel wie “Zuhause der glücklichen Kühe”, bezeichnet.

 

Milch
Milch

“Die von der Milchtankstelle”

Bekannt sind die Grosshans in Weinheim durch ihre Milchtankstelle. Bereits beim Betreten des Hofes stelle ich fest, glückliche Familien, Frauen sowie Männer kaufen an der Milchtankstelle Joghurt und Milch aus eigener Produktion und laufen durch die Stallungen. Scheint also alles transparent zu sein bei den Grosshans. Wer sind also die Leute und Tiere hinter der Milchtankstelle?

 

1973 zog der Hof der Grosshans, ein traditioneller Mischbetrieb mit 8 Kühen, Ackerbau sowie Wein- und Obstbau, von den Sachsendörfern wegen Platzmangels an den heutigen Standort. Außer dem nahe gelegenen, im Bau befindlichen Miramar, ist hier ausreichend Platz für den auf 50 Kühe ausgelegten Betrieb. Mit der Zeit entwickelte sich der Betrieb zu einem reinen Milchviehbetrieb und beheimatet heute 120 Holsteinkühe. Die Kühe sind seine wichtigsten Mitarbeiter, so Grosshans. Ich spüre, an dem Wohl seiner wichtigsten Mitarbeiter ist ihm sehr gelegen. Nichts von dunklen, schmutzigen Ställen. Die Stallungen sind lichtdurchflutet und nach allen Seiten offen. Meiner Meinung nach herrscht keine Enge und mit selbst drehenden Bürsten gibt es sogar Wellness für die Kühe. 2004 wurde für einen höheren Tier- sowie Arbeitskomfort in einen neuen Kuhstall investiert.

Es wird von Grosshans darauf geachtet, dass der Betrieb in die Struktur passt.

“1 Hecktar Land, 1 Kuh und ihr Kalb”

führt Grosshans aus, ergeben ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen angebautem Futter sowie ausgebrachter Gülle. Dann sind Nitratwerte kein Problem und er dürfe auch noch mineralischen Dünger ausbringen. Dazu steht Grosshans auch! Denn tatsächlich baut er auf 120 Hektar Futter für seine 120 Kühe an. Angebaut werden neben Grünland auch Weizen, Klee und Mais. Vom angebauten Weizen wird ein Teil an XXXX verkauft. Der Rest ergibt einen ausgewogenen Futtermix für seine Damen. Grosshans hat sich auf die Haltung von Milchkühen fokussiert. Die Bullen werden bereits nach 14 Tagen verkauft. Wer mehr über das Leben einer Kuh erfahren möchte, kann sich hier gerne informieren.

Auszubildender und Mitarbeiter beim Reinigen des selbst fahrenden Futtermischers

Soziale Verantwortung

Desweiteren trägt Grosshans auch soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter. So beschäftigt er neben einem fest angestellten Mitarbeiter ,der auf dem Hof eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommt, 2 Aushilfen sowie 1 Auszubildenden im 3. Lehrjahr. Dieser erlernt den Beruf des Landwirtes. Die Berufsschule ist in Karlsruhe. Die nächsten Schulen wären erst in Mosbach sowie bei Darmstadt. Trotzdem hat die einzige Ausbildungsklasse in Karlsruhe gerade mal 18 Schüler. Was bereits andeutet, dass der Beruf des Landwirtes nicht der beliebteste ist. 365 Tage, 24 Stunden am Tag für seine Tiere da zu sein, ist nicht für jeden etwas. Aber auch die politischen Rahmenbedingungen sowie die Erträge sind nicht ideal. Was früher arbeitsintensiv war, ist heute kapitalintensiv, erzählt Grosshans. Immer wieder neue Auflagen erfordern neue Anschaffungen, und wer heute einen neuen Stall baut, hat diesen erst nach 30 Jahren bezahlt, genau da, wo bereits aufwändige Renovierungsarbeiten anfallen und somit wieder hohe Kosten verursacht werden. Traurig stimmt mich auch die Aussage, dass es Menschen gibt, die denken, dass man keine Landwirte mehr braucht. Woher denn dann:

Sind Bioartikel aus dem Ausland, wie sie oft Angeboten werden, denn ernsthaft die Lösung? Wohl eher nicht. Den Erstens herrschen hier oft nicht dieselben Bedingungen. Es wird mit Mitteln gespritzt die hierzulande im konventionellen Ackerbau zur Diskussion stehen und wenn man den Transport sowie die Arbeitsbedingungen mit einbezieht, fragt man sich: Ist das dann wirklich besser? Ich empfinde, ein souveräner Staat sollte in der Lage sein, seine Lebensmittel selbst zu produzieren. Denn auch wenn man meinen könnte, die Lebensmittel des täglichen Bedarfs kommen aus dem Supermarktregal, so stehen hinter diesen immer Landwirte. Ohne diese bleiben unsere Mägen leer oder unser Land macht sich mit Auslandsimporten erpressbar. Deshalb ist das erklärte Ziel von Schlepperblog.de und liebt-lebensmittel.de, diese zu stärken. Es ist an der Zeit, dass unsere Landwirte wieder Gehör finden.

Lebenslauf einer Kuh:

Ich nehme hier das Beispiel von Landwirt Grosshans aus Weinheim:

Geburt:

Um Milch zu geben, gebärt die Kuh jedes Jahr ein Kalb. Dieses wird mit einem durchschnittlichen Geburtsgewicht von 43,2 Kg nach 9 Monaten Tragezeit geboren. Nach einem halben Tag kommt das Kalb bereits getrennt von der Mutter ins Kälberdorf.

Kälberdorf (Die Neugeborenenstation):

Im Kälberdorf lebt das Junge, in einem geschützten Bereich und kann sich in Ruhe entwickeln. Hier wird das Kalb 24 Stunden vom Landwirt überwacht und erhält die ersten 8 Tage die Milch seiner Mutter. Auch erlernt das Junge hier das Laufen und das Fressen.

Jungrindstall

Nach 50 Tagen hat die Kuh genug Fähigkeiten erlernt, um in die WG der Heranwachsenden einzuziehen. Ab hier gibt es keine Milch mehr, sondern das ganz normale Rauhfutter und Wasser, auch spricht man ab hier nicht mehr vom Kalb sondern vom Rind.

Rinderstall

Im Rinderstall erreichen die Kühe die Geschlechtsreife und werden das erste Mal besamt. Die Tragezeit beträgt 9 Monate. Entbunden wird wieder im Abkalbstall. Danach beginnt das Arbeitsleben einer Kuh.

Kuhstall

Im geräumigen Kuhstall können die Kühe sich frei bewegen und selbst entscheiden, ob sie stehen, liegen oder fressen wollen. 2 Mal am Tag werden diese gemolken und geben dabei pro Kuh bis zu 33 Liter Milch ab.

Das Holstein Rind

Das Holstein Rind ist bei Landwirten weltweit besonders wegen seiner hohen Milchleistung von 8000-9000 Litern beliebt. Unter dem Namen werden die Zuchtrichtungen Red Holstein sowie Holstein-Friesian zusammen gefasst. Erstmals wurde für die Rasse 1871 ein Zuchtverband gegründet. Die Milch hat einen durchschnittlichen Fettgehalt von 4%. Exportiert wird das Holstein Rind in 35 Länder.

Besondere Mediale Aufmerksamkeit erreichte der Stier Knickers. Dieser brachte es auf eine stattliche Schulterhöhe von 194 cm und brachte ein Kampfgewicht von 1400 Kg auf die Wage. Da er für die Schlachthöfe in Westaustralien zu groß war wurde dieser abgelehnt. Nun bekommt er auf der Farm seines Besitzers Pearson 136 Kilometer südlich von Perth sein Gnadenbrot.

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