Fahr

1870
Johann Georg Fahr errichtet in Gottmadingen eine Reparaturwerkstätte.  Zu Beginn wurden Futterschneidemaschinen, Handdreschmaschinen und Weinpressen gebaut.
1892
In Stockach wird ein Zweigwerk eingerichtet.
1895
Es werden Dreschmaschinen unter dem Namen “Alemannia” hergestellt.
1938
präsentiert die Firma Fahr den ersten schleppergezogenen Getreidebindemäher mit Zapfwellenantrieb, der den hauseigenen Traktorenbau einläutete. Parallel dazu wird auf Basis des erfolgreichen Motormähers der erste echte Diesel-Schlepper, der Fahr F22 mit Deutz-Motor, serienreif entwickelt.
1940
Nachdem der Schell-Plan zur Typenbereinigung und Materialeinsparung in Kraft tritt, wird die Produktion drastisch reguliert. Während des Krieges verlassen neben kriegswichtigen Rüstungsgütern (wie Teilen für Panzermotoren sowie Munition) insgesamt rund 2.200 Schlepper das Werk in Gottmadingen.
1942
Da im Laufe des Jahres 1942 flüssige Treibstoffe für die zivile Nutzung und Landwirtschaft streng verboten werden, muss Fahr komplett auf die Holzgastechnologie ausweichen. Reguläre Dieselschlepper dürfen nicht mehr gebaut werden. Es entsteht der Fahr HG 25:
  • Produktionszeitraum: Die Fertigung läuft von September 1942 (Auslieferung der ersten drei Exemplare) bis Dezember 1948.
  • Technische Besonderheit: Der HG 25 wird in Kooperation mit der Firma Lanz entwickelt. Unter der markanten, wuchtigen Haube verbirgt sich der normierte Einheits-Holzgasgenerator „EG-60“ (System Imbert). Als Antrieb dient wahlweise ein Einheitsmotor von Deutz (vorwiegend für die Wehrmacht) oder von Güldner (für die zivile Landwirtschaft).
1944
Als im Herbst das Güldner-Werk in Aschaffenburg bei Bombenangriffen schwer zerstört wird, verlagert man Teile der Fertigung, sodass der Holzgasmotor von Güldner fortan ebenfalls in Gottmadingen gebaut wird.
1945
Südbaden liegt nach dem Krieg in der französischen Besatzungszone. Demontagen und strenge Produktionsverbote blockieren zunächst den wirtschaftlichen Neustart.
1948
Erst ab 1948 darf die Traktorenproduktion zaghaft wieder anlaufen. Gefertigt wird das Modell F22 (wieder mit regulärem Dieselmotor) unter Verwendung verbliebener Restteile aus der Holzgasfertigung.
1949 / 1950
Fahr bringt den D15 mit Güldner-Motor sowie den größeren D22 mit Deutz-Motor auf den Markt. Da man schnell merkt, dass der Fahr D15 zu höheren Leistungen im Stande ist, wird die offizielle Leistungsangabe später auf 16 PS angehoben. Ab 1951 mündet diese erfolgreiche Konstruktion schließlich im weiterentwickelten Fahr D17. In den 1950er Jahren baut Fahr die Modellpalette massiv aus und entwickelt sich zum Full-Liner: Angefangen beim Einachsschlepper (KT 10) bis hin zum schweren Vierradtraktor mit 60 PS (wie dem D60 L) wird eine vollständige Modellpalette für jede Betriebsgröße angeboten.
1951
Auf der DLG-Ausstellung in Hamburg stellt Fahr den ersten selbstfahrenden Mähdrescher Deutschlands (Modell MD1) vor. Zudem übernimmt Fahr die Zahnradfabrik Karlsruhe GmbH (ZFK) von Agria, um die eigene Getriebeversorgung zu sichern.
1952
Um strenge Zollbestimmungen zu umgehen, gründet das Unternehmen die Fahr Argentina SAFIC in Buenos Aires, welche die Produktion vor Ort in Argentinien übernimmt. Speziell für den Export in tropische Regionen werden Traktoren mit einem angepassten Luftansaugsystem gebaut.
1953
Fahr modernisiert das Design seiner stets dunkelrot lackierten Traktoren grundlegend und führt die modernere, runde Haubenform ein.
1954
Die Typenbezeichnung bei Fahr wird vereinheitlicht. Ab sofort orientiert sich die Nummer in der Typenbezeichnung direkt an der tatsächlichen Motorleistung in PS.
1955
Fahr versucht sich mit einer eigenwilligen Konstruktion auf dem Markt der Geräteträger und stellt den GT 130 vor.
1956
Fahr schließt eine weitreichende Kooperation mit dem Motorenhersteller Güldner. Als erste gemeinsame Ergebnisse werden die Modelle D66 und D88 vorgestellt.
1957
Bei Fahr läuft der 50.000ste Schlepper vom Band. Zeitweise werden Traktoren mit luftgekühlten Deutz-Motoren ausgerüstet, wovon man jedoch bald wieder abrückt. Zusammen mit Güldner wird die sogenannte „Europareihe“ präsentiert. Die Traktoren dieser Reihe sind technisch baugleich und unterscheiden sich primär durch Farbe und Haubengestaltung. Fahr konzentriert sich hierbei auf den Leistungsbereich von 25 bis 34 PS, während Güldner den unteren Leistungsbereich abdeckt.
1961
Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) erwirbt eine Beteiligung von 25 % am Aktienkapital von Fahr. In der Folge werden in Gottmadingen auch Traktoren im Auftrag von Deutz gefertigt.
1964
Zu Gunsten des extrem florierenden Mähdrescherbaus wird beschlossen, die eigene Traktorenproduktion bei Fahr langsam auslaufen zu lassen. Auch Güldner beendet in dieser Phase die Kooperation.
1968
KHD übernimmt die Mehrheit am Unternehmen. Die Traktorenproduktion in Gottmadingen wird endgültig eingestellt, um das Werk vollständig zum KHD-Mähdrescherzentrum auszubauen. Bis zum Ende der Produktion liefen insgesamt rund 100.000 Fahr-Traktoren vom Band.

Quellenverzeichnis: